
Nein, die Existenz Gottes lässt sich weder wissenschaftlich beweisen noch wissenschaftlich widerlegen und wird daher immer eine Frage des Glaubens oder Nicht-Glaubens sein. Man kann jedoch versuchen, die Existenz Gottes logisch zu ergründen, indem man sich die Frage stellt, warum das Universum und damit auch wir Menschen überhaupt existieren:
Laut der Wissenschaft unterliegt das gesamte Universum dem „Ursache-Wirkungs-Prinzip“, das heißt, jede Wirkung bzw. jedes Ereignis (z.B. Regen) hat immer mindestens eine Ursache bzw. einen Auslöser (z.B. Wolken). Daher ist davon auszugehen, dass auch das Universum selbst bzw. dessen Ursprung einen Auslöser gehabt haben muss. Selbst falls dieser Auslöser wissenschaftlich bestimmbar wäre, würde sich erneut die Frage nach der Ursache für den Auslöser stellen. Diese Ursache-Wirkungs-Kette lässt sich unendlich fortführen, ohne dass jemals eine Antwort auf die Frage nach dem ersten Ursprung aller Existenz gefunden werden kann. Es bestehen lediglich drei Möglichkeiten, die beschriebene Ursache-Wirkungs-Kette logisch aufzulösen und damit die Entstehung unseres Universums zu erklären:
Denkbar sind theoretisch alle drei Optionen, doch es stellt sich die Frage, für wie plausibel und wahrscheinlich man sie hält: 1. Wie plausibel und wahrscheinlich ist es, dass die Gesetzmäßigkeit von Ursache und Wirkung vor dem Urknall nicht existierte und dass die gesamte Materie und alle Lebewesen einfach so aus dem „Nichts“ entstanden sind? 2. Wie plausibel und wahrscheinlich ist es, dass die Materie - obwohl das Universum laut der Wissenschaft einen absoluten Anfang hat - ewig ist und dass wir Menschen mit unseren Emotionen, unserem Verstand und unserem Gewissen ohne Zutun aus dieser Materie entstanden sind? 3. Wie plausibel und wahrscheinlich ist es, dass alles Existierende letztlich doch einen Ursprung hat und dass dieser Ursprung nicht im „Nichts“, sondern in einem ewigen „Schöpfergott“ liegt?
Die Antworten hierauf muss jeder Mensch selbst finden, da dies eine Frage des Glaubens bzw. der Überzeugung ist. Und es ist eine Frage dessen, woran man glauben möchte: Entweder daran, dass wir Menschen nur zufällig existieren und dass unsere Emotionen, unser Verstand und unser Gewissen letztlich nichts anderes sind als aus dem Urknall resultierende biochemische - und damit deterministische - Reaktionen. Oder daran, dass die Existenz von uns Menschen eine höhere Bedeutung hat und dass unsere Emotionen, unser Verstand und unser Gewissen ihren Ursprung in einem Gott haben, der unserem Leben einen tieferen Sinn verleiht.
Oder anders formuliert: Die Frage, ob es einen Gott gibt, führt letztlich immer zu der Frage, wer oder was wir Menschen sind. Wer davon überzeugt ist, dass wir Menschen - mit unseren Emotionen, unserem Verstand und unserem Gewissen - nichts anderes sind als aus dem Urknall evolutionierte Produkte biochemischer Reaktionen, der benötigt keinen Gott, um die menschliche Existenz und das menschliche Wesen zu erklären. Wenn man eine solche Ansicht vertritt, dann entzieht man dem Menschen jedoch automatisch seinen Anspruch auf Menschlichkeit und Freiheit, denn biochemische Reaktionen sind letztlich immer „seelenlos“ und deterministisch.
Wer hingegen davon überzeugt ist, dass die in jedem Menschen vorhandene Liebe, der menschliche Verstand und der menschliche Gerechtigkeitssinn mehr sind als biochemische Reaktionen (also im wahrsten Sinne des Wortes etwas „Übernatürliches“), der glaubt - vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein - bereits an einen Gott. Denn etwas Übernatürliches kann niemals aus etwas Natürlichem - in diesem Falle der Materie - hervorgehen, sondern setzt immer die Existenz von etwas Übernatürlichem - also per Definition die Existenz eines Gottes - voraus.