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Ja, das Leid in der Welt lässt sich mit dem Glauben an einen liebevollen und gerechten Gott vereinbaren. So wird im christlichen Glauben davon ausgegangen, dass Gott zwar vollkommen liebevoll und gerecht ist, es aber dennoch so viel Leid in der Welt gibt, weil die Beziehung zwischen Gott und uns Menschen zerbrochen ist und Gott sich weitgehend aus unserer Welt zurückgezogen hat.
Gemäß der Bibel war unsere Welt ursprünglich als eine harmonische Welt voller Liebe und Gerechtigkeit konzipiert, was die Veranlagung von uns Menschen zu einer tiefen Sehnsucht nach Liebe und Gerechtigkeit erklären könnte. Gleichzeitig wird im christlichen Glauben jedoch angenommen, dass wir Menschen - aufbauend auf der uns von Gott geschenkten Freiheit - diese ursprüngliche Harmonie zerstört haben. So haben wir damit begonnen, unser Leben und unsere Errungenschaften nicht mehr dankbar als ein Geschenk Gottes zu betrachten, sondern stolz und überheblich als allein unser Verdienst. Dadurch stellen wir uns selbst über Gott und lehnen seine Existenz und Liebe ab - eine Einstellung, die in der Bibel als „Sünde“, also als Schuld gegenüber Gott, bezeichnet wird. Aufgrund unserer Schuld wurden wir unüberwindbar von Gottes Liebe und Fürsorge getrennt, da unsere Schuld mit Gottes Unschuld unvereinbar ist.
Unsere Liebe und Fürsorge suchen wir seitdem meist nicht in Gott, sondern ausschließlich in anderen Personen und Dingen, wodurch wir etwas an sich Positives (z.B. Arbeit, Beziehung, Erfolg, Ansehen) zu etwas Absolutem erheben und unser persönliches Glück und Selbstwertgefühl davon abhängig machen. Da alle anderen Personen und Dinge jedoch unvollkommen und vergänglich sind und uns die erhoffte Liebe und Fürsorge niemals vollständig und dauerhaft schenken können, werden wir mit ihnen allein unglücklich und zerbrechen innerlich. Aufgrund unserer inneren Zerbrochenheit verhalten wir uns häufig lieblos und ungerecht gegenüber unseren Mitmenschen, den Tieren und der Natur, wodurch wir gemäß der Bibel großen Schaden in Gottes Welt anrichten und Gott kränken und verletzen.
Die Konsequenz des Ganzen spiegelt sich in unserer „kaputten“ Welt wider, aus der sich Gott weitgehend zurückgezogen hat – eine Welt, in der sich alle Menschen zwar zutiefst nach Liebe sehnen, aber aufgrund ihrer inneren Zerbrochenheit nicht dazu in der Lage sind, diese Liebe dauerhaft zu empfangen und zu schenken und in Harmonie mit den Mitmenschen, den Tieren und der Natur zu leben. Ob und wie gemäß der Bibel die ursprüngliche Harmonie zwischen Gott und der Welt wiederhergestellt werden kann und inwieweit wir Menschen auf die Beseitigung unseres Leids hoffen dürfen, wird in der Rubrik 2. überblick dargestellt.
Den Glauben an Gott lehnen viele Menschen dennoch ab, da es ihnen nicht logisch erscheint, dass ein liebevoller Gott so viel Leid in der Welt zulassen kann. Bei einer solchen Argumentation sind jedoch drei Dinge zu bedenken: Erstens würde ein ständiges Eingreifen von Gott zur Beseitigung allen Leids zwangsläufig mit einer Aufhebung der Entscheidungs- und Handlungsfreiheit von uns Menschen einhergehen. Denn schließlich ist ein Großteil des Leids in der Welt „menschengemacht“ (z.B. aus der Umweltzerstörung resultierende Naturkatastrophen, aus der Gier von Managern resultierende Wirtschafts- und Finanzkrisen, Kriege und Ausbeutung). Ohne unsere persönliche Freiheit wäre das Leben jedoch ein reiner Automatismus und würde seinen individuellen Wert verlieren. Außerdem würde die Aufhebung unserer persönlichen Freiheit sogar im Widerspruch zur Liebe Gottes stehen, da sich Liebe niemals unter Zwang, sondern nur unter Freiheit entfalten kann.
Zweitens führt das Leid, mit dem wir Menschen im Laufe unseres Lebens konfrontiert werden, in vielen Fällen zu einem persönlichen Reifungsprozess. So bringt es das Erleben von Leid häufig mit sich, dass Menschen tiefgründiger werden, an Überheblichkeit und Egoismus verlieren, bislang selbstverständliche Dinge oder sogar ihre gesamte Lebensführung in Frage stellen, einfühlsamer gegenüber Mitmenschen mit ähnlichem Schicksal werden, die schönen Momente des Lebens mehr zu schätzen lernen oder sich erstmals intensiv mit der Frage nach der Existenz Gottes auseinandersetzen. Dies alles kann durchaus ein Trost sein, doch es ändert nichts daran, dass Leid im christlichen Glauben - wie eingangs beschrieben - ein Resultat der zerstörten Harmonie zwischen Gott und uns Menschen darstellt und damit fundamental schlecht und zutiefst verabscheuenswürdig ist.
Drittens betrachten wir Menschen das Leid, mit dem wir konfrontiert werden, immer aus der Perspektive und mit dem Maßstab unseres aktuellen Lebens. Dies ist verständlich, da es schließlich das aktuelle Leben ist, in dem wir das Leid erleben, und wir nicht mit wissenschaftlicher Verlässlichkeit sagen können, ob es ein zweites, ewiges Leben nach dem Tod geben wird. Doch wenn es uns gelingen würde, fest an die Existenz eines zweiten, ewigen Lebens nach dem Tod - wie in der Bibel zugesagt - zu glauben, dann würden wir an unser aktuelles Leben vermutlich völlig andere Maßstäbe anlegen und das erlittene Leid aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. Denn was sind 80 Jahre im Vergleich zur Ewigkeit! Der Glaube an einen liebevollen und gerechten Gott lässt sich also nicht nur mit dem Leid in der Welt vereinbaren, sondern er kann - im Vergleich zum Atheismus - sogar die größtmögliche Hoffnung bedeuten, wenn man der christlichen Zusage für ein zweites, ewiges Leben voller Liebe und ohne Leid vertraut.