Lässt sich die Existenz Gottes beweisen?

Nein, die Existenz Gottes lässt sich nicht wissenschaftlich beweisen - genauso wenig wie sich die Nicht-Existenz Gottes wissenschaftlich beweisen lässt. Denn ein per Definition übernatürlicher Gott wäre weder im Falle seiner Existenz noch im Falle seiner Nicht-Existenz mit wissenschaftlichen Methoden erfassbar. Sowohl der „Theismus“ (Glaube an die Existenz Gottes) als auch der „Atheismus“ (Glaube an die Nicht-Existenz Gottes) stellen damit Glaubensrichtungen dar, die auf jeweils unterschiedlichen, wissenschaftlich nicht überprüfbaren Annahmen beruhen.

Ist die Frage nach der Existenz Gottes überhaupt relevant?

Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir uns die Frage nach der Existenz Gottes nicht zu stellen brauchen - im Gegenteil: Da jeder Mensch mehr oder weniger stark glaubt (entweder an die Existenz oder an die Nicht-Existenz Gottes), kann sich kein Mensch dieser Frage vollständig entziehen. Dies gilt umso mehr, als unsere persönliche Antwort auf diese Frage einen entscheidenden Einfluss auf unser Welt- und Menschenbild und damit auf unser alltägliches Leben hat. Jeder nach Wahrheit strebende Mensch sollte sich daher früher oder später zwei Fragen stellen: 1. Wie plausibel und realistisch sind die Annahmen, die dem Theismus und dem Atheismus zugrunde liegen? 2. Welche praktischen Konsequenzen hätte es, wenn der Theismus oder der Atheismus wahr wären? Im Folgenden sollen Denkanstöße gegeben werden, die dabei helfen können, diese beiden Fragen persönlich für sich zu beantworten.

Was sind die Annahmen des Atheismus?

Der Atheismus beruht auf der Annahme, dass außerhalb unseres Universums (einschließlich möglicher weiterer Universen), also außerhalb der gesamten natürlichen Welt, nichts existiert. Die Existenz eines Gottes oder jeglicher anderer übernatürlicher Phänomene wird abgelehnt. Atheisten gehen daher - bewusst oder unbewusst - davon aus, dass alles Existierende nicht durch einen externen, übernatürlichen Eingriff, sondern nur aus sich selbst heraus entstanden sein kann. Als Ursprung jeglicher Existenz wird dabei üblicherweise ein „Urknall“ vor knapp 14 Milliarden Jahren vermutet, durch dessen Energie aus dem „Nichts“ heraus Materie, Raum und Zeit entstanden sind. Alternativ gehen manche Atheisten davon aus, dass Energie, Materie, Raum und Zeit schon immer existiert haben und damit „ewig“ sind. In beiden Fällen wird angenommen, dass alles Existierende ausschließlich aus Energie und Materie besteht und somit das Resultat energiebasierter chemischer Reaktionen zwischen Atomen darstellt - alles darüber Hinausgehende wäre per Definition übernatürlich und wird deshalb abgelehnt. Auch wir Menschen - mit unserem Verstand, unseren Emotionen und unserem Gewissen - sind demnach letztlich nichts anderes als die Summe und das Resultat komplexer biochemischer Reaktionen zwischen Atomen. Die Frage, wie plausibel und realistisch diese Annahme ist, muss jeder Mensch für sich selbst beantworten.

Welche praktischen Konsequenzen hat der Atheismus?

Der Glaube, dass alles Existierende ausschließlich das Resultat energiebasierter chemischer Reaktionen zwischen Atomen darstellt, hat entscheidende Konsequenzen für unser Welt- und Menschenbild und damit für unser alltägliches Leben. So ist es wichtig zu erkennen, dass chemische Reaktionen - wie komplex sie auch sein mögen - immer „deterministisch“ verlaufen. Das heißt, Atome haben keinen freien Willen, sondern sie reagieren unter gleichen Bedingungen immer in der gleichen Art und Weise miteinander. Wenn wir Menschen laut dem Atheismus nichts anderes sind als die Summe und das Resultat komplexer biochemischer Reaktionen zwischen „willenlosen“ Atomen, dann bedeutet dies, dass auch wir selbst keinen freien Willen besitzen können. Alles andere wäre übernatürlich. Und auch unser Verstand, also unser eigenständiges, logisches Denkvermögen, ist dann lediglich eine Illusion, da unser Denken letztlich nur das Resultat deterministischer biochemischer Reaktionen darstellt, die wir aufgrund unseres fehlenden freien Willens nicht autonom steuern können. Jegliches Denken und Argumentieren wird dadurch ad absurdum geführt. Ähnliches gilt für die Emotionen und für das Gewissen von uns Menschen: Phänomene wie Liebe und Gerechtigkeit sind laut den Annahmen des Atheismus nicht real, sondern sie stellen lediglich durch biochemische Reaktionen verursachte Illusionen in unserem Gehirn dar. Die selbstlose Liebe einer Mutter zu ihrem Kind, die wahre Liebe zwischen Mann und Frau sowie die tiefe Genugtuung, die wir verspüren, wenn ein Kriegsverbrecher für seine Massaker an Frauen und Kindern lebenslänglich bestraft wird, sind demnach kein Ausdruck einer übernatürlichen Liebe und Gerechtigkeit, sondern lediglich ein biochemisches Phänomen. So wird unter Atheisten z.B. das menschliche Einfühlungsvermögen ausschließlich mit Hilfe so genannter „Spiegelneuronen“ im menschlichen Gehirn zu erklären versucht. Doch wenn Liebe und Gerechtigkeit lediglich biochemische Illusionen in unserem Gehirn darstellen, dann hat es - konsequent zu Ende gedacht - auch keinen tieferen Sinn, sich ernsthaft für Liebe und Gerechtigkeit in der Welt einzusetzen, zumal unser gesamtes Sonnensystem und damit alle menschlichen Erinnerungen ohnehin irgendwann für immer verglühen werden.

Was sind im Gegensatz dazu die Annahmen des Theismus?

Im Theismus wird davon ausgegangen, dass zusätzlich zu unserer natürlichen Welt ein übernatürlicher Gott existiert, der für die Entstehung unseres Universums verantwortlich ist. Energie, Materie, Raum und Zeit haben ihren Ursprung demnach nicht in sich selbst oder im „Nichts“, sondern in einem ewigen, nicht-materiellen Gott. Im christlichen Glauben wird zusätzlich davon ausgegangen, dass dieser Gott der Ursprung und Inbegriff von Intelligenz, Liebe und Gerechtigkeit ist. Hierdurch kann nach Ansicht von Christen erklärt werden, warum wir Menschen einen Verstand besitzen und uns in unserem tiefsten Inneren nach Liebe und Gerechtigkeit sehnen. Phänomene wie Verstand, Liebe und Gerechtigkeit stellen somit keine biochemischen Illusionen in unserem Gehirn dar, sondern sie sind ein realer Hinweis darauf, dass wir Menschen mehr sind als die Summe und das Resultat deterministischer biochemischer Reaktionen zwischen Atomen. Die Frage, wie plausibel und realistisch diese Annahme ist, muss jeder Mensch für sich selbst beantworten.

Welche praktischen Konsequenzen hat der Theismus?

Der Glaube, dass wir Menschen mehr sind als die Summe und das Resultat deterministischer biochemischer Reaktionen zwischen Atomen, hat entscheidende Konsequenzen für unser Welt- und Menschenbild und damit für unser alltägliches Leben. Dabei ist es wichtig zu erkennen, dass ein freier Wille nur dann existieren kann, wenn dieser nicht ausschließlich auf biochemischen Reaktionen zwischen willenlosen Atomen beruht. Und Phänomene wie Verstand, Liebe und Gerechtigkeit können nur dann real sein, wenn sie keine biochemischen Illusionen in unserem Gehirn darstellen, sondern übernatürlichen, göttlichen Ursprungs sind. Erst durch den Glauben an Gott sprechen wir dem Menschen also einen echten freien Willen und einen Verstand zu. Und nur durch den Glauben an Gott erkennen wir Phänomene wie Liebe und Gerechtigkeit als real an. Ein solcher Glaube gibt unserer Existenz und unserem Streben nach Liebe und Gerechtigkeit einen tieferen Sinn, der sich mit unserer Wahrnehmung und persönlichen Erfahrung in der Realität deckt. Oder anders formuliert: Jeder Mensch, für den Verstand, Liebe und Gerechtigkeit mehr sind als biochemische Reaktionen in seinem Gehirn (also im wahrsten Sinne des Wortes etwas Übernatürliches), der glaubt - bewusst oder unbewusst - bereits an Gott. Dennoch bleiben zwei entscheidende Fragen offen, auf die im Folgenden gesondert eingegangen wird:

Exkurs: Lässt sich die Evolutionstheorie mit dem Glauben an Gott vereinbaren?

Exkurs: Lässt sich das Leid in der Welt mit dem Glauben an Gott vereinbaren?


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