
Hinweis: Per Mausklick können Sie sich zu allen farbig markierten Sätzen entsprechende Erläuterungen anzeigen lassen.
Wie aus der Rubrik 2. überblick hervorgeht, steht und fällt die Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit des christlichen Glaubens mit der Frage, ob Jesus Christus wirklich vom Tod auferweckt wurde und damit göttlich ist. Denn falls sich die Auferweckung Jesu Christi nicht ereignet haben sollte und falls Jesus Christus nicht göttlich sein sollte, dann würde das gesamte Christentum auf einer einzigen Lüge basieren und die christliche Hoffnung auf das ewige Leben nach dem Tod wäre eine reine Illusion. Jeder Mensch, der ernsthaft am christlichen Glauben interessiert ist, sollte sich daher früher oder später mit der Frage beschäftigen, ob die christliche Botschaft von der Auferweckung Jesu Christi wahr ist oder nicht. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erkennen, dass sich der christliche Glaube grundlegend von allen anderen Religionen unterscheidet: Während alle anderen Religionen (z.B. Islam, Judentum oder Buddhismus) ausschließlich auf Überlieferungen und Traditionen beruhen, stützt sich der christliche Glaube zusätzlich auf ein konkretes historisches Ereignis - nämlich auf die angebliche Auferweckung der historischen Person Jesus von Nazareth vor etwa 2.000 Jahren. Aus diesem Grund ist der christliche Glaube - im Gegensatz zu allen anderen Religionen - einer historischen Überprüfung zugänglich.
Lässt sich die Auferweckung Jesu Christi wissenschaftlich beweisen?
Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich die Auferweckung Jesu Christi wissenschaftlich beweisen oder widerlegen lässt. Denn die klassische, naturwissenschaftliche Beweisführung kann grundsätzlich nur dann zur Anwendung kommen, wenn sich ein Ereignis unter kontrollierten, experimentellen Bedingungen wiederholen lässt - eine Voraussetzung, die im Falle einmaliger, historischer Ereignisse per Definition nicht erfüllbar ist. Stattdessen muss die Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit eines einmaligen, historischen Ereignisses immer auf Basis der verfügbaren historischen Fakten, Indizien und Zeugenaussagen beurteilt werden - eine Vorgehensweise, die auch bei der juristischen Beweisführung zur Anwendung kommt. Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob sich die Auferweckung Jesu Christi naturwissenschaftlich beweisen lässt, sondern ob die historischen Fakten, Indizien und Zeugenaussagen für oder gegen die Auferweckung Jesu Christi sprechen. Im Folgenden sollen Denkanstöße gegeben werden, die dabei helfen können, diese Frage persönlich für sich zu beantworten.
In welcher historischen Situation entstand das Christentum?
Zunächst einmal ist es wichtig, sich ein realistisches Bild von der historischen Lage zu machen, die zur Zeit der angeblichen Auferweckung Jesu Christi vor etwa 2.000 Jahren im Römischen Reich herrschte. Anders als häufig angenommen, genossen die Anhänger Jesu Christi damals keinerlei politische oder gesellschaftliche Unterstützung - dies war erst im 4. Jahrhundert n. Chr. unter der Führung des römischen Kaisers Konstantin des Großen der Fall. Stattdessen herrschte nach dem Tod Jesu Christi im 1. Jahrhundert n. Chr. eine politisch und gesellschaftlich sehr feindliche Einstellung gegenüber den Anhängern Jesu Christi. Historische Quellen zeigen, dass sich die damaligen Christen nur wenige Wochen lang frei entfalten und die Botschaft von der Auferweckung Jesu Christi ungehindert verkünden konnten. So kam es bereits einige Wochen nach dem Tod Jesu Christi zu einem ersten Verhör der Apostel Petrus und Johannes. Und wenige Jahre später setzte mit der Ermordung des Diakons Stephanus eine zunächst sporadische und anschließend sogar systematische Verfolgung der ersten Christen ein. Nähere Informationen sowie einen umfassenden Überblick über relevante historische Quellen liefert z.B. Prof. Dr. Christoph Markschies, ehemaliger Präsident der Humboldt-Universität Berlin, in seinem Buch Das antike Christentum. Alle Menschen, die sich nach dem Tod Jesu Christi öffentlich zur Auferweckung Jesu Christi bekannten, mussten demzufolge starke gesellschaftliche Benachteiligungen ertragen und befanden sich in potenzieller Lebensgefahr. Wie ist es zu erklären, dass unter solch feindlichen Bedingungen im 1. Jahrhundert n. Chr. das Christentum nachweislich entstehen und Bestand haben konnte?
Wie verhielten sich die ersten Christen nach dem Tod Jesu Christi?
Innerhalb des Römischen Reiches war Jesus Christus bei Weitem nicht die einzige Person, die zu Lebzeiten von ihren Anhängern als Messias verehrt und von den jeweiligen römischen Befehlshabern ermordet wurde (siehe z.B. Simon bar Kochba). Doch der Tod der vermeintlichen Messiasse führte stets zur Auflösung der jeweiligen Messias-Bewegung, da der Tod eines Messias dessen Messias-Anspruch widerlegte. Nur ein einziges Mal in der Geschichte der Menschheit passierte nach dem Tod eines angeblichen Messias genau das Gegenteil - und zwar im Falle von Jesus Christus. So berichten Historiker davon, dass kurze Zeit nach dem Tod Jesu Christi mehrere hundert Menschen - darunter auch ehemalige Skeptiker und Gegner Jesu Christi - plötzlich öffentlich und uneingeschränkt die Botschaft von der Auferweckung Jesu Christi verkündeten und sich zur Göttlichkeit Jesu Christi bekannten. Einige von ihnen bezahlten für diese Überzeugung später sogar mit ihrem eigenen Leben. Wie ist es möglich, dass nur wenige Tage nach dem Tod Jesu Christi plötzlich eine junge christliche Bewegung entstand, die vor Selbstbewusstsein, Energie und Zuversicht nur so strotzte? Wie kann es sein, dass wenige Wochen nach dem Tod Jesu Christi plötzlich die erste christliche Kirche mit mehreren hundert Mitgliedern ins Leben gerufen wurde? Wie ist es zu erklären, dass wenige Monate nach dem Tod Jesu Christi eine zunehmende Zahl von Christen starke Benachteiligungen in Kauf nahm und ohne Eigennutz ihr Leben riskierte, um die Botschaft von der Auferweckung Jesu Christi in ganz Israel und im Mittelmeerraum zu verkünden?
Wie lässt sich das Verhalten der ersten Christen erklären?
Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die ersten mehreren hundert Christen nicht daran glaubten, dass Jesus Christus vom Tod auferweckt wurde, sondern dass sie behaupteten, es zu wissen. Sie behaupteten, dem vom Tod auferweckten Jesus Christus tatsächlich persönlich begegnet zu sein. Für diese Gewissheit und diese Überzeugung riskierten sie ihr Leben - nicht primär für einen Glauben. Wie ist das zu erklären? Wenn man die Möglichkeit, dass Jesus Christus tatsächlich vom Tod auferweckt wurde, kategorisch ausschließen möchte, dann verbleiben lediglich drei alternative Erklärungsoptionen:
Denkbar wären grundsätzlich alle drei Optionen; doch es stellt sich die Frage, wie plausibel und realistisch sie in Anbetracht der historischen Fakten, Indizien und Zeugenaussagen sind: 1. Wie plausibel und realistisch ist es, dass die ersten Christen für etwas ihr Leben riskierten, von dem sie mit absoluter Sicherheit wussten, dass es nicht wahr ist, da sie es selbst erfunden hatten? 2. Wie plausibel und realistisch ist es, dass die ersten Christen
- darunter auch ehemalige Skeptiker und Gegner Jesu Christi - alle zur selben Zeit plötzlich Wahnvorstellungen erlitten und fest davon überzeugt waren, dem vom Tod auferweckten Jesus Christus persönlich begegnet zu sein? 3. Wie plausibel und realistisch ist es, dass Jesus Christus seine mehrstündige Kreuzigung trotz der Anwesenheit zahlreicher Aufseher und Zeugen überlebte und nach drei Tagen ohne Essen und Trinken wieder vollkommen gesund war?
Wie lautet die christliche Erklärung für das Verhalten der ersten Christen?
Um es nochmals zu betonen: Die ersten mehreren hundert Christen glaubten nicht daran, dass Jesus Christus vom Tod auferweckt wurde, sondern sie behaupteten, es zu wissen. Sie behaupteten, dem vom Tod auferweckten Jesus Christus tatsächlich persönlich begegnet zu sein. Für diese Gewissheit und diese Überzeugung riskierten sie ihr Leben - nicht primär für einen Glauben. Hierdurch erlangen die damaligen Zeugen eine äußerst hohe Authentizität und Glaubwürdigkeit. Die Aussagen in der Bibel, dass Jesus Christus tatsächlich vom Tod auferweckt wurde und anschließend mehreren hundert Menschen persönlich begegnet ist, können daher solange als die plausibelste Erklärung für die plötzliche Entstehung und schnelle Verbreitung des Christentums im 1. Jahrhundert n. Chr. gelten, bis eine andere, schlüssigere Erklärung für das Verhalten der ersten Christen präsentiert wird. Die eigentliche Herausforderung, daran zu glauben, dass Jesus Christus vom Tod auferweckt wurde und damit göttlich ist, besteht allerdings darin, ein Weltbild, das besagt, dass Wunder unmöglich sind und Menschen grundsätzlich nicht vom Tod auferweckt werden können, auszutauschen gegen eine Weltsicht, die von einem übernatürlichen Gott ausgeht und aus deren Perspektive die Auferweckung Jesu Christi vollkommen logisch und sinnvoll erscheint.