Lässt sich das Leid in der Welt mit dem Glauben an einen liebevollen und gerechten Gott vereinbaren?

Hinweis: Per Mausklick können Sie sich zu allen farbig markierten Sätzen entsprechende Erläuterungen anzeigen lassen.

Ja, das Leid in der Welt lässt sich mit dem Glauben an einen liebevollen und gerechten Gott vereinbaren. So beruht der christliche Glaube auf der Überzeugung, dass Gott zwar vollkommen liebevoll und gerecht ist, dass es aber trotzdem so viel Leid in der Welt gibt, weil wir Menschen uns dazu entschieden haben, unser Leben ohne Gott zu führen, und Gott sich daraufhin weitgehend aus unserer Welt zurückgezogen hat. Gemäß der Bibel handelt es sich dabei jedoch nur um einen Übergangszustand, da Gott am „Ende der Zeiten“ eine Welt vollkommener Liebe und Gerechtigkeit erschaffen wird, in der kein Leid mehr existiert. Der Grund, warum wir Menschen bis dahin in einer unheilen, zerbrochenen Welt voller Leid leben müssen, geht aus der Rubrik 2. überblick hervor.

Wie kann ein liebevoller und gerechter Gott so viel Leid in der Welt zulassen?

Den Glauben an Gott lehnen viele Menschen dennoch ab, da es ihnen nicht glaubwürdig erscheint, dass ein liebevoller und gerechter Gott so viel Leid in der Welt zulassen kann. Bei einer solchen Argumentation sind jedoch drei Dinge zu bedenken: Erstens ist ein Großteil des Leids in der Welt „menschengemacht“ (z.B. aus der Umweltzerstörung resultierende Naturkatastrophen und Krankheiten, aus der Gier von Managern resultierende Wirtschafts- und Finanzkrisen, Kriege und Ausbeutung). Um das menschengemachte Leid in der Welt zu beseitigen, müsste Gott uns vollständig unsere persönliche Freiheit entziehen; denn nur, wenn wir keinen freien Willen besäßen, könnte Gott unser Verhalten so steuern, dass wir damit keinerlei Schaden anrichten. Ohne freien Willen würde unser Leben jedoch jeglichen Wert verlieren, da wir dann lediglich „Marionetten“ Gottes wären. Außerdem stünde die Aufhebung unserer persönlichen Freiheit sogar im Widerspruch zu einem liebevollen Gott, der gemäß der Bibel eine auf Vertrauen basierende Beziehung mit uns führen möchte. Denn Vertrauen und Liebe können sich niemals unter Zwang, sondern nur unter Freiheit entfalten. Erst wenn wir uns aus freien Stücken für oder gegen das Gute - und damit für oder gegen Gott - entscheiden können, erhalten wir die Möglichkeit, eine auf Vertrauen basierende Beziehung zu Gott aufzubauen. Aus diesem Grund möchte Gott die Verursacher von Leid auch zunächst gewähren lassen, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Taten aus freien Stücken einzugestehen, ehrlich zu bereuen und ihr Leben zu ändern. Da Gott gemäß der Bibel nicht nur vollkommen liebevoll, sondern auch vollkommen gerecht ist, wird er am „Ende der Zeiten“ aber die uneinsichtigen Verursacher von Leid gerecht bestrafen und eine Welt vollkommener Liebe und Gerechtigkeit erschaffen, in der kein Leid mehr existiert. Wie Gott dies dauerhaft erreichen kann, ohne uns Menschen unseren freien Willen zu entziehen, geht aus der Rubrik 2. überblick hervor.

Doch was ist mit dem Leid, das nicht menschengemacht ist?

Zweitens kann das Leid, mit dem wir Menschen im Laufe unseres Lebens konfrontiert werden, in vielen Fällen zu einem persönlichen Reifungsprozess führen. So bringt es das Erleben von Leid häufig mit sich, dass Menschen tiefgründiger und ehrlicher werden, an Überheblichkeit und Egoismus verlieren, bislang selbstverständliche Dinge oder sogar ihre gesamte Lebensführung in Frage stellen, einfühlsamer gegenüber Mitmenschen mit ähnlichem Schicksal werden, die schönen Momente des Lebens mehr zu schätzen lernen oder sich erstmals intensiv mit der Frage nach der Existenz Gottes auseinandersetzen. Dies alles kann durchaus ein Trost sein, doch es ändert nichts daran, dass Leid im christlichen Glauben ein Resultat der zerstörten Beziehung zwischen Gott und uns Menschen darstellt und damit fundamental schlecht und zutiefst verabscheuenswürdig ist. Zudem hat Leid bei Weitem nicht immer positive Auswirkungen: Während manche Menschen durch Notsituationen persönlich reifen und in ihrem Glauben an Gott wachsen, werden andere Menschen aufgrund von Leid immer verbitterter oder abgeklärter und verlieren ihren Glauben an Gott. So gesehen kann Leid in manchen Fällen auch eine Prüfung unseres persönlichen Charakters und unseres Glaubens darstellen. Denn erst in einer Notsituation zeigt sich das wahre Gesicht und der wahre Glaube eines Menschen.

Doch was ist, wenn unser Leid so schwer ist, dass es uns jegliche Perspektive nimmt?

Drittens betrachten wir Menschen das Leid, mit dem wir konfrontiert werden, immer aus der Perspektive und mit dem Maßstab unseres aktuellen Lebens. Dies ist verständlich, da es schließlich das aktuelle Leben ist, in dem wir das Leid erleben, und wir nicht mit wissenschaftlicher Verlässlichkeit sagen können, ob es ein zweites, ewiges Leben nach dem Tod geben wird. Doch wenn es uns gelingen würde, fest an die Existenz eines zweiten, ewigen Lebens nach dem Tod in einer Welt vollkommener Liebe und Gerechtigkeit zu glauben, dann würden wir an unser aktuelles Leben völlig andere Maßstäbe anlegen und das erlittene Leid aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. Denn was sind 80 Jahre im Vergleich zur Ewigkeit! Der Glaube an einen liebevollen und gerechten Gott lässt sich also nicht nur mit dem Leid in der Welt vereinbaren, sondern er kann - im Vergleich zum Atheismus - sogar die größtmögliche Hoffnung bedeuten, wenn man der christlichen Zusage für ein zweites, ewiges Leben nach dem Tod in einer Welt vollkommener Liebe und Gerechtigkeit und ohne Leid vertraut. Die Vereinbarkeit von Leid und Glaube steht und fällt also letztlich mit der Frage, ob die christliche Hoffnung auf das ewige Leben nach dem Tod berechtigt ist oder nicht. Die Antwort auf diese Frage geht aus der Rubrik 2. überblick hervor.


© 2008-∞ weristgott.info | impressum | haftungsausschluss
Wir empfehlen Ihnen, zum Drucken von www.weristgott.info
das PDF-Dokument aus der Rubrik „downloads" zu verwenden!